Das Flugzeug-Serienwerk 803

Das Flugzeug-Serienwerk wird am 1. Mai 1955 unter der Tarnbezeichnung "Industriewerke Dresden" gegründet, während das Flugzeug-Entwicklungswerk die nichtssagende Bezeichnung "Maschinen- und Apparatebau Dresden (MAB)" erhält. Beide Werke sind zunächst nicht nur juristisch, sondern auch örtlich voneinander getrennt. Der Aufbau des Werkes 801 erfolgt sofort als Neubau in Dresden-Klotzsche. Das Werk 803 kommt dagegen zunächst in den ehemaligen Betrieben VEB Sachsenwerk Dresden und VEB Papierwerk Dresden an der Königsbrücker Straße in Dresden unter. Hier beginnt der Serienbau der IL-14-Zellen. Gleichzeitig entsteht in Klotzsche neben dem Werk 801 der Neubau des Werkes 803 mit seinem Kernstück, der Halle 222, die praktisch ein komplettes Serienwerk beherbergt mit drei Hallenschiffen von 50 Metern Breite und 175 Metern Länge mit 30.000 Quadratmetern Produktionsfläche einschließlich der Anbauten Plexiglaswerkstatt, Schweißerei, Schlauchwerkstatt, Hydraulikwerkstatt und Sattlerei. Die Grunsteinlegung zur Halle 222 erfolgte ebenfalls am 1. Juli 1955 wie die der übrigen Bauten in Klotzsche. Da diese Halle aber absolute Priorität erhielt, kam ihr Bau am schnellsten voran. Ende 1956 näherten sich die Arbeiten ihrem Abschluß und die ersten Abteilungen zogen ein, unter anderem auch die Serienkonstruktion und Technologie.

Werk 801 und 803 mit Windkanal und Forschungszentrum der DDR-Luftfahrtindustrie in Dresden-Klotzsche
Gesamtwerk in Dresden-Klotzsche mit ENtwicklungswerk 801, Serienwerk 803, Kooperationszentrale 821, Forschungszentrum 817, Windkanal und der 2.500 Meter langen Startbahn.

Industriewerk (Altwerk) im Industriegelände

Serienbau IL-14 im Altwerk Dresden
Von 1955 bis 1958 erfolgte der Zellenbau im Industriegelände an der Königsbrücker Straße für die IL-14P-Serienproduktion.

Serienbauhalle 222

In der Serienbauhalle 22 wurden von 1956 bis 1961 alle 80 IL-14P endmontiert. Außerdem fand in ihr der Versuchsbau der Muster 152 V1 bis V7 statt. Ab Oktober 1959 wurde die Halle 22 auf den Serienbau der 152/II umgestellt, der mit der Seriennummer 11.152-008 begann. Bis zur Einstellung des Flugzeugbaues am 17. März 1961 waren nur die beiden Serienmaschinen 008 und 009 fertig. In Arbeit waren die Maschinen -010 (60 % fertig), -011 (35,7 % fertig), -012 (28,1 % fertig) und -013 (22,9 % fertig). Das nächste Los 014-016 lag bei rund 7 %, das Los 017-020 kam auf rund 3 % Endmontagestand. (Ein Endmontagestand von 25 Prozent entspricht etwa einem rohbaufertigen Flugzeug.)

Grundriss der Halle 222 in Dresden-Klotzsche
Grundriss der Flugzeugbauhalle 222, die ein eigenständiges Flugzeugwerk darstellte, mit den drei großen Hallenschiffen und den Werkstatt-Anbauten, über denen Verwaltung, Technologie und Serienkonstruktionsbüros untergebracht waren.

Halle 222 in Dresden-Klotzsche
Halle 222 während ihres Baus (klicken zum Vergößern).

Endmontage der IL-14P in Halle 222

Flugzeugbauhalle 222 von außen und innen in Farbe
Im Jahre 1957 war die Halle 222 die größte freitragende Halle in Europa. Vor der Halle stehen die ersten fertigen IL-14P. Direkt rechts daneben sollte die baugleiche Halle 221 entstehen, in der eine zweite Flugzeugtype (152 bzw. 153) im Serienbau hergestellt werden sollte. Die Hallen (222 und 219) maßen 150 Meter in der Breite und 175 Meter in der Länge. Sie waren 25 Meter hoch. An ihren Seiten waren zusätzliche Anbauten für Werkstätten und darüberliegende Büros. Die Hallen 221 und 220 sind nicht verwirklicht worden, standen aber bis 1961 im Bauplan.

Flugzeugbauhalle 222 von außen und innen in Farbe
Serienbau der IL-14P im Mittelschiff der Halle 222. Rechts sieht man eine IL-28, die sich im Umbau zum Erprobungsträger für das Triebwerk Pirna 014 befindet. Das Foto stammt vom Mai 1959.

Serienbau des Typs "152" in Halle 222

Flugzeugbauhalle 222 von außen und innen in Farbe
Eine Tragflügelschale der 152 wird der Helling entnommen und zum Zusammenbau weitertransportiert (1959).

Flugzeugbauhalle 222 von außen und innen in Farbe
Endmontage der "152" in der Halle 222 im Juni 1960. Die gesamte Halle stand der 152-Produktion zur Verfügung. Im linken Seitenschiff entstanden die Flügel und das Rumpfhinterteil. Im rechten Seitenschiff die kombinierten Triebwerks- und Fahrwerksgondeln. Im Mittelschiff fand die Entmontage der Flugzeuge, der Zusammenbau der Rümpfe und deren Dichtprüfung statt.

Einflughalle 35 bzw. 285

Einflughalle 285 mit IL-14P aus Dresdner Produktion
Die Einflughalle am Ende der Startbahn in Dresden-Klotzsche diente sowohl dem Serienwerk für das Einfliegen der vor dem Verkauf stehenden Flugzeuge als auch dem Entwicklungswerk zur Unterstellung der V-Muster. In der Halle hatten etwa fünf Flugzeuge vom Typ 152 oder sechs bis sieben IL-14 Platz.

Der Messe-Pavillon auf der Leipziger LMM

Messepavillon der DDR-Luftfahrtindustrie 1959
Die VVB Flugzeugbau hatte auf der Leipziger Mustermesse einen eigenen Pavillon. Vor dem Pavillon stand im März 1957 erstmals eine IL-14P aus deutscher Produktion. 1958 wurde im Pavillon eine 1:1-Rumpfattrappe der 152 aufgestellt. Das Foto zeigt den Pavillon im März 1959 mit einem 3-Meter-Modell der 152/II im Vordergrund, einer Luftschraube AW-50 für die IL-14 dahinter, dann das Messetriebwerk Pirna-014 und im Hintergund die 1:1-Atrappe 152/II.

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