Die Logik der Natur

Im Gegensatz zur formalen Logik, die auf einer postulierten Widerspruchsfreiheit beruht, erkannten Persönlichkeiten wie Heraklit von Ephesos, Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Karl Marx und letztlich auch Albert Einstein den Widerspruch als die treibende Kraft aller Entwicklungen an. Die Natur ist nicht widerspruchsfrei. Im Gegenteil, sie ist der Widerspruch selbst. Sie ist ganz und gar dialektisch, das heißt, absolut und relativ zugleich, vorwärts strebend und immer wieder rückbesinnend, materiell und geistig in einem. All das stets in Wechselwirkung. Deshalb gilt es, diese Wechselwirkungen zu untersuchen und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Die Dialektik als die Wissenschaft von den zusammenhängenden Widersprüchen schließt nicht wie die formale Logik das eine vom anderen aus, sondern untersucht beides in seinem inneren Zusammenhang und in seinen äußeren Abhängigkeiten von anderen dialektischen Widersprüchen. Das dialektische Denken und Forschen ist somit ein lebendiges Denken und Forschen, während die formale Logik die eine Seite des Widerspruchs festzuhalten versucht, und somit die Entwicklung des Untersuchungsgegenstandes ausblendet, ihn also abtötet, das Tote bis ins Detail untersucht und die Lebendigkeit darüber vergisst.

            Die Natur jedoch ist lebendig. Sie lässt sich nicht wie die Thermodynamik eines Verbrennungsmotors berechnen, indem man ausschließlich die momentanen Zustände des strömenden Gases betrachtet, diese in einem Punkt festhält und mit einfachen Gleichungen zu berechnen versucht. Die Natur ist immer und überall in Bewegung. Sie steht zu keinem Zeitpunkt still. Ihr Gleichungssystem ist eine ständige Ungleichung, ein hochkomplexes System, das sich nur mit ebensolchen hochkomplexen Formeln berechnen lässt. Der Kapitalismus jedoch lässt seiner Ingenieurswissenschaft dafür keine Zeit und auch kein Geld. Denn die Konkurrenz schläft nicht.

            In dem folgenden Beitrag, der das abschließende Kapitel meines Buches „Die kommende Welt der mütterlichen Vernunft“ bildet, wird das menschliche Denken so erklärt, wie es sich auf natürliche Weise entwickelt hat, nämlich im Tätigsein des Menschen in der Auseinandersetzung mit der Natur.

Bereits die Urmenschen beobachteten die Natur, und sie sahen genau hin, denn jede Unachtsamkeit konnte den Tod bedeuten. Alles war in Bewegung, der Wind, das Gras, die Flüsse, die Steine in den Flüssen und an abschüssigen Berghängen. Sie sahen die Lebendigkeit der Natur. So entstand eine Weltanschauung, die das Lebendige, das Mütterliche, zur Grundlage hatte. All das wurde vor zehntausend bis fünftausend Jahren mit dem Übergang vom Matriarchat zum Patriarchat, also auf dem Wege zur so genannten Zivilisation, aufgegeben. An die Stelle der Verehrung des Lebens im Mütterlichen trat die Verehrung des Toten durch die Herrschaft des Vaters in der nun entstandenen Familie. Seither geht es in der Welt einseitig logisch (hemmungslose Entwicklung der Produktivkräfte) und zugleich tödlich (Verehrung der toten Helden) einher.

Im Kapitalismus als der letzten Ausbeutergesellschaft ist das einseitige Denken auf die Spitze getrieben. Wenn die Erde ökonomisch ausgelaugt ist, soll die Menschheit ins Weltall hinausfliegen und die dortigen Planeten verheeren wie ein Schwarm Wanderheuschrecken. Dieser Endkonsequenz kapitalistischen Wirtschaftens muss Einhalt geboten werden. Dazu bedarf es jedoch zuerst einer anderen Weltanschauung und einer anderen Denkweise. Hier ist sie:

 

Holger Lorenz: Einführung in die Logik der Natur (dialektische Logik) 530 kB

kostenfreier Auszug aus dem Buch Holger Lorenz: "Die kommende Welt der mütterlichen Vernunft. Kommunistisches Manifest für das 21. Jahrhundert", 384 Seiten, Marienberg 2016.