Frühe Flugzeug-Projekte aus Pirna

Unmittelbar nach Rückkehr der Junkers-Ingenieure aus der Sowjetunion am 5. Juli 1954 begann die Projektgruppe von Hans Wocke (Martin Schrecker, Alfred Losch, Rudolf Rentel, Edgar Dannecker) mit der Projektierung weiterer Flugzeuge für die Produktion in der DDR. Im Oktober 1955 reiste eine Regierungsdelegation in die UdSSR und stellte dort dem Luftfahrtministerium die Flugzeug-Projekte 152, 153, 154, 155 und 160 vor. 


PTL-Schnellverkehrs-Flugzeug 153
“Das PTL-Flugzeug 153 ist für den Einsatz auf Strecken von 2000 bis 3000 km entworfen. Je nach Bedürfnis kann die Inneneinrichtung für 36 Passagiere und Cocktailbar in Luxusausstattung, für 42 Passagiere in erstklassiger Ausführung und für 56 Passagiere in Touristenklasse (3+2 Sitze pro Reihe) eingebaut werden. Große Gepäckräume und eine Garderobe entlasten den Passagierraum. Drei Toiletten mit Waschgelegenheit dienen der Hygiene an Bord. Sämtliche Räume einschließlich  Gepäckraum halten einen  Innendruck, der maximal 2.000 Metern Höhe entspricht.
Die 153 ist ein freitragender Tiefdecker mit Dreibeinfahrwerk mit kreisrundem Rumpfquerschnitt. Die Flügel sind ungepfeilt in Schalenbauweise, mit Enteisung und Fowlerklappen. Zwei PTL-Triebwerke Pirna 018 in 35 Prozent der Halbspannweite treiben zwei gegenläufige Luftschrauben an.”

Hauptdaten 153:
(Stand Okt. 1955)

Abfluggewicht    36.400 kg
Nutzlast               4.200 kg
Kraftstoff            10.000 kg
Reichweite            3.500 km
                             + 1 Std. Warteflug
Geschwindigkeit    650 km/h
Maximalleistung    10.000 äPS
Passagiere            42 Pers.
Besatzung             6 Pers.
Rollstrecke             700 m

Länge                      32 m
Spannweite             29,4 m
Rumpfdurchmesser  3,3 m
Flügelstreckung       7,1
Flügelfläche             122 m2


PTL-Schnellverkehrs-Flugzeug 154
Das viermotorige PTL-Flugzeug 154 ist für den Einsatz auf Strecken großer Verkehrsdichte und 2.000 bis 3.000 km Entfernung gedacht. Es kann dabei bis zu 108 Passagiere (3+3 Sitze pro Reihe) befördern, denen alle Bequemlichkeiten des modernen Luftverkehrs geboten werden. Große Gepäckräume und vier Toiletten sind vorhanden.
Die 154 ist ein freitragender Tiefdecker mit 11 Grad Flügelpfeilung, Dreibeinfahrwerk und druckdichtem Rumpf mit Kreisquerschnitt. Flügel in Schalenbauweise mit Nasenenteisung und Fowler-Landeklappen. Die vier PTL-Triebwerke Pirna 018 mit je 5.000 äPS sind vor der Flügelnase in Gondeln aufgehängt. Die Triebwerke sind mit gegenläufigen Doppelschrauben ausgerüstet, der Rückstoßaustritt befindet sich auf der Oberseite des Flügels.

Daten 154 (Stand Okt. 1955)

Abfluggewicht    64.700 kg
Nutzlast               8.000 kg
Kraftstoff            15.000 kg
Reichweite            3.000 km
                        + 1 Std. Warteflug
Geschwindigkeit    700 km/h
Maximalleistung    20.000 äPS
Passagiere           80-108 Pers.
Besatzung            6 Pers.
Rollstrecke            650 m

Länge                    41,2 m
Spannweite            40,0 m
Rumpfdurchmesser   4,0 m
Flügelstreckung        8,0
Flügelfläche              200 m2


PTL-Schnellverkehrsflugzeug 155
Das zweimotorige PTL-Flugzeug 155 mit 56 bis 70 Sitzplätzen ist für den Einsatz auf Hauptstrecken gedacht, bei denen ausreichend große Start- und Landebahnen vorhanden sind. Es kann bei einer Reisegeschwindigkeit von 600 km/h eine Strecke von 4.700 km zurücklegen, bei einer Reisegeschwindigkeit von 650 km/h eine Strecke von 3.900 km und hat danach noch einen Reservekraftstoff, der ein einstündiges Warten in der Luft vor der Landung ermöglicht. Es sind drei Toiletten, eine Garderobe und ein Frachtraum für 1.000 kg Schnellfracht vorhanden.
Die 155 ist ein freitragender Tiefdecker mit geradem Trapezflügel in Schalenbauweise, Dreibeinfahrwerk und druckdichtem Rumpf in Kreisquerschnitt. Zwei PTL-Triebwerke sowjetischen Typs mit 6.250 äPS treiben zwei gegenläufige Doppelschrauben an.

Daten 155 (Stand Okt. 1955)

Abfluggewicht    52.570 kg
Nutzlast               6.000 kg
Kraftstoff            15.000 kg
Reichweite            3.900 km
                         + 1 Std. Warteflug
Geschwindigkeit    650 km/h
Maximalleistung    12.500 äPS
Passagiere            56-70 Pers.
Besatzung             6 Pers.
Rollstrecke            700 m

Länge                     34,2 m
Spannweite            36,8 m
Rumpfdurchmesser   3,6 m
Flügelstreckung        8,0
Flügelfläche            170 m2


Die Verantwortlichen in der Sowjetunion lehnten die Projekte 152 bis 155 ab, weil sie noch nicht dem Welthöchststand entsprächen. Vergleicht man allerdings die Projekte mit den sowjetischen Flugzeugen An-8, An-10 und IL-18, schneidet nur die IL-18 besser ab als die gleichgroße 154. Für die Projekte 152, 153 und 155 gab es in der Sowjetunion keine Entsprechung. Die 153 war zu diesem Zeitpunkt noch etwas schwer und groß. Sie entsprach im Leistungsvermögen der Vickers Viscount 840, allerdings mit nur zwei Motoren. Überhaupt waren es die leistungsfähigen PTL-Antriebe, die Hans Wocke favorisiert hatte, um die Flugzeuge wirtschaftlich zu machen. 

Dennoch mußte die DDR sich den Anweisungen des potentiellen Kunden fügen. Die große viermotorige 154 mit Gegenlaufluftschrauben wurde sofort beerdigt, nachdem man von der Entwicklung der IL-18 erfahren hatte. Die 155 entfiel ebenfalls, weil sie nur eine vergrößerte 153 darstellte. Mit der 152 war die Sowjetunion im Prinzip einverstanden. Für die 153 forderte sie eine Verkleinerung.


Neben der 152 wird bereits 1955 mit Nachdruck an der 153 gearbeitet

Zum Thema 153/0, 153/1 und 153A ist 2015 das Buch "Das Turbinenflugzeug Dresden-153 von 1959" erschienen, weswegen an dieser Stelle zunächst auf weitere Erläuterungen verzichtet wird.

Modell Dresden-153A